So kommt das Signal zu dir
Das Sat-Signal kommt in mehreren Empfangsebenen an, zwischen denen jeder Empfänger umschalten muss – deshalb lässt es sich nicht einfach wie ein Antennensignal aufteilen. Fünf bewährte Techniken lösen das. Welche die richtige ist, hängt von deinem Gebäude und der Zahl der Anschlüsse ab.
Klassischer Sat-Empfang
Die Schüssel bündelt das Signal in ihrem Brennpunkt – dort sitzt das LNB und macht es kabeltauglich. Vier Leitungen bringen alle Empfangsebenen gleichzeitig zum Multischalter im Keller oder Dachboden. Der übernimmt das Umschalten und versorgt jeden Anschluss über eine eigene Leitung – jeder sieht alles, unabhängig von den anderen.
- ✓Der Sat-Empfänger steckt heute meist schon im Fernseher – Kabel in die Dose, fertig
- ✓Jeder Anschluss sieht alle Programme, völlig unabhängig
- !Braucht ein eigenes Kabel pro Anschluss – im Bestand oft der Knackpunkt
Unicable – ein Kabel für alle
Der clevere Weg zum Nachrüsten: Vom LNB laufen vier Leitungen zum Einkabel-Multischalter – doch ab dort teilen sich alle Empfänger ein einziges Kabel. Die vorhandene Leitung darf bleiben, nur Dosen und Verteiler müssen Sat-tauglich sein. Jeder Empfänger hat sein fest zugewiesenes Userband (UB) – seinen eigenen Platz auf dem Kabel. Beim Umschalten meldet er sein Wunschprogramm, und der Multischalter legt es ihm genau dorthin.
- ✓Nur eine vorhandene Leitung nötig – ideal im Altbau ohne neue Kabel
- ✓Bis zu 32 Anschlüsse je Strang – mit voller Programmauswahl für alle
- !Geräte müssen Unicable beherrschen und ihr fest eingestelltes Userband haben – Erweiterungen nur mit Planung
Kanalaufbereitung als Kabel-TV
Für ganze Wohnanlagen: Die zentrale Kopfstelle arbeitet wie ein eigener kleiner Kabel-TV-Anbieter im Haus. Ihre Module setzen die gewünschten Programmpakete in ein Kabel-TV-Signal (DVB-C) um und speisen es ins bestehende Hausnetz – samt Verstärkern und Dosen bleibt alles, wie es ist. Jeder Fernseher empfängt über seinen eingebauten Kabel-Tuner – ganz ohne Receiver.
- ✓Hausnetz bleibt komplett erhalten – bis zur letzten Dose
- ✓Einfach Sendersuchlauf am TV starten und das volle Programm genießen
- !Programmangebot ist zentral festgelegt – für alle gleich
- !Höhere Anschaffungskosten als die anderen Lösungen
IPTV – jeder Sender eine IP
Der vierte Weg ist echtes IPTV: Eine IPTV-Kopfstelle empfängt die Programme per Satellit und gibt jedem Sender eine eigene IP-Adresse im Hausnetz. Verteilt wird per Multicast über das Netzwerk – jeder Sender liegt genau einmal an, egal wie viele zuschauen. Der Haken für den Kunden: Das Fernsehgerät muss IPTV-fähig sein und diese Adressen direkt als Senderliste verarbeiten. Das beherrschen nur wenige Modelle – deshalb steckt diese Technik vor allem in Hotels, Kliniken und Pflegeheimen, wo passende Geräte gezielt verbaut werden.
Nicht zu verwechseln mit SAT>IP: Das ist ein eigener Standard, der auf PC, Tablet & Smartphone läuft. Bei echtem IPTV ist das Ziel der Fernseher.
- ✓Jeder Sender als eigene IP-Adresse – beliebig viele Zuschauer (Multicast)
- ✓Nutzt das Netzwerk im Gebäude – keine Koax-Verkabelung
- !Nur mit IPTV-fähigem Fernseher – das können nur wenige Modelle
- !Einsatz vor allem in Hotels, Kliniken & Pflegeheimen
SAT>IP – Sat-TV auf jedem Gerät
Der fünfte Weg ist SAT>IP – ein eigener Standard von Astra, der das Sat-Signal fürs Heimnetz übersetzt. Ein SAT>IP-Server sitzt hinter LNB oder Multischalter und hängt am Router. Anders als bei echtem IPTV liegt nicht jeder Sender fest im Netz: Jedes Gerät fragt sein Wunschprogramm selbst an, der Server hat dafür mehrere Tuner und streamt es per LAN oder WLAN. Empfänger ist nahezu jedes Gerät mit passender App – Tablet, Smartphone, Laptop, PC oder Smart-TV. Deshalb ist SAT>IP vor allem etwas für den privaten Haushalt: Fernsehen in der Küche aufs Tablet, im Schlafzimmer auf den Zweit-TV – ganz ohne neues Koax-Kabel.
Faustregel: So viele Tuner der Server hat, so viele Teilnehmer können gleichzeitig fernsehen (typisch 4 bis 8) – und jeder hat das komplette Programm zur Auswahl.
- ✓Läuft auf nahezu jedem Gerät – Tablet, Handy, Laptop, Smart-TV (per App)
- ✓Nutzt das vorhandene Heimnetz (LAN/WLAN) – kein neues Koax-Kabel
- !Gleichzeitige Teilnehmer = Zahl der Tuner im Server (meist 4–8)
- !Vor allem für den Privathaushalt – nicht für große Anlagen gedacht
Quad oder Quattro?
Beide haben vier Ausgänge und einen fast identischen Namen – kein Wunder, dass sie ständig verwechselt werden. Der Unterschied steckt darin, wofür diese vier Ausgänge gedacht sind.
Beim Quad-LNB ist jeder Ausgang eigenständig und schaltet selbst zwischen den Empfangsebenen um. Du verbindest ihn direkt mit bis zu vier Receivern – ganz ohne weitere Technik. Ideal für kleinere Haushalte.
Das Quattro-LNB sieht gleich aus, tickt aber anders: Seine vier Ausgänge sind fest verdrahtet – je einer für Low-Horizontal, Low-Vertikal, High-Horizontal und High-Vertikal. Es gehört nicht an einen Receiver, sondern an einen Multischalter, der das Signal dann an beliebig viele Teilnehmer verteilt.
Kurz gemerkt: Quad = vier Receiver direkt. Quattro = vier Ebenen für den Multischalter.
Warum eigentlich vier Kabel?
Der Satellit nutzt zwei Tricks, um möglichst viele Programme unterzubringen: Er sendet in zwei Schwingungsrichtungen (horizontal und vertikal), und der Frequenzbereich ist in zwei Hälften geteilt (Low- und High-Band). Macht zusammen vier Empfangsebenen – und ein Antennenkabel kann immer nur eine davon gleichzeitig transportieren. Genau deshalb führen vom LNB vier Kabel weg – eines pro Ebene.
Beim Zappen wechselt dein Fernseher unbemerkt zwischen diesen Ebenen – ZDF liegt zum Beispiel auf einer anderen Ebene als RTL. Damit das für mehrere Teilnehmer gleichzeitig und unabhängig funktioniert, liefert das Quattro-LNB alle vier Ebenen dauerhaft über diese vier Kabel an die Eingänge des Multischalters. Der reicht jedem Anschluss genau die Ebene durch, die sein Programm gerade braucht.
Was ist eigentlich ein Transponder?
Früher stellte man am Fernseher eine einzelne Frequenz ein – ein Kanal, ein Programm. Beim digitalen Sat-Empfang stimmt man stattdessen einen Transponder ab: einen Datenstrom, der gleich mehrere Programme bündelt.
- Man sucht eine einzelne Frequenz und stimmt fein ab
- Das Bild wird stufenlos besser oder schlechter
- Typische Störungen: Schnee, Streifen, Rauschen
- Der Receiver sucht einen Datenstrom – Lock oder kein Lock
- Er liest die Programmtabelle und baut die Senderliste auf
- Qualität zeigt sich als Pegel und Signalqualität (BER)
Einzelne Sender lassen sich nicht mehr von Hand einstellen. Der Receiver findet per Sendersuchlauf die Transponder (Frequenzen) und lädt aus jedem gleich alle enthaltenen Programme.
Dasselbe Prinzip gilt für Kabel (DVB-C) und Antenne (DVB-T2): Hinter einer Frequenz steckt immer ein Datenpaket mit mehreren Sendern. Nur IPTV funktioniert anders – dort hat jeder Sender seine eigene Adresse.
Schüssel ausrichten
Standort eingeben, Satellit wählen – und du bekommst Azimut, Elevation und LNB-Skew für die Montage. Für alle vier Positionen der Transponderliste.
Warum aufs Grad genau?
- Die Entfernung gnadenlos: Der Satellit steht rund 36.000 km entfernt – wer nur 1° daneben zielt, zielt am Orbit gut 600 km am Satelliten vorbei.
- Die Nachbarn sind nah: Hotbird 13°, Eutelsat 16° und Astra 19,2° stehen nur gut 3° auseinander. Grob daneben ausgerichtet empfängst du schlicht den falschen Satelliten.
- Die Empfangskeule ist schmal: Ein 60-cm-Spiegel „sieht“ nur einen etwa 3° schmalen Ausschnitt des Himmels – und schon ein Grad daneben kostet mehrere dB. Bei Sonne läuft das noch, aber die Regenreserve ist weg: Beim ersten Schauer kommen die Klötzchen.
Warum freie Sicht?
- Mikrowellen kennen keine Umwege: Das Ku-Band-Signal (10,7–12,75 GHz) durchdringt weder Mauer noch Dach – ein festes Hindernis in der Sichtlinie bedeutet Totalausfall.
- Bäume sind tückisch: Laub dämpft massiv, nasses Laub noch stärker – der Klassiker „im Winter ging’s noch“. Und Bäume wachsen: Was heute knapp frei ist, steht in drei Jahren im Weg.
- Auch Glas zählt als Hindernis: Moderne Wärmeschutzverglasung ist metallbedampft und blockiert das Signal fast vollständig – die Schüssel hinterm Fenster funktioniert deshalb praktisch nie.
1 Standort
2 Satellit
3 Ausrichtung ·
bei Offset-Spiegeln: Herstellerskala nutzen
(Blick von hinten auf den Spiegel)